Umfrageerbnisse – Ergebnisse Teil 5

Ergebnisse der Befragung von Jagdgenossinnen und Jagdgenossen, Jagdausübenden sowie Interessierten

Neben den Jagdvorständen konnten auch Mitglieder, Jagdpachtende und Jagdausübende sowie alle weiteren Personen mit Interesse an Jagdgenossenschaften an einer Online-Umfrage teilnehmen. Die Umfrage war über die Internetseite des Projekts aufrufbar. Der Link wurde über die Landwirtschafts- und Jagdgenossenschaftsverbände sowie über den Landesjagdverband verbreitet.

Wer hat an der Umfrage teilgenommen?

Insgesamt haben 206 Personen die Umfrage beendet. Diese waren im Durchschnitt 53 Jahre alt, wobei der jüngste Teilnehmer 21 Jahre und der älteste 84 Jahre alt war; 90% waren männlich, 10% weiblich.

Etwa die Hälfte der Teilnehmenden war Mitglied einer Jagdgenossenschaft, die andere Hälfte bestand aus Jagdpachtenden und Jagdausübungsberechtigten, Revierleitenden und anderen Interessierten, wie Naturschützenden oder Bewirtschaftenden. Auch unter den Mitgliedern waren viele, die gleichzeig Jagdpachtende oder Jagdausübungsberechtigte waren. Nur fünf Personen gaben an, ausschließlich Mitglieder in einer Jagdgenossenschaft zu sein und sonst keiner Akteursgruppe anzugehören (siehe Abbildungen 1 und 2).

Abbildung 1: Gruppenzugehörigkeiten der Befragten mit Jagdgenossenschaftsmitgliedschaft (n=105), Mehrfachantworten möglich
Abbildung 2: Gruppenzugehörigkeiten der Befragten ohne Jagdgenossenschaftsmitgliedschaft (n=97), Mehrfachantworten möglich

Von den Befragten bezogen 21% ihre Antworten auf eine selbstverwaltete Jagdgenossenschaft, 69% auf eine kommunalverwaltete, 10% wussten es nicht oder machten hierzu keine Angaben. Dies ist ein deutlicher Kontrast zu der Befragung der Jagdvorstände, an der überwiegend Jagdvorstände selbstverwalteter Jagdgenossenschaften teilnahmen (siehe Umfrageergebnisse Teil 1).

Aus welchen Jagdgenossenschaften kommen die Teilnehmenden?

Im Durchschnitt haben die Jagdgenossenschaften der Befragten 328 Mitglieder (Streuung: vier bis 4.000), 53% der Befragten konnten hierzu jedoch keine Angabe machen. Die Fläche der Jagdgenossenschaften betrug im Durchschnitt 1.459 Hektar. Auch hier gaben 36% an, die Frage nicht beantworten zu können. Von den restlichen 64% gaben 33% an, die Jagdgenossenschaft habe eine Fläche von mehr als 1.500 Hektar. Bei fast ebenso vielen (31%) liegt die Flächengröße zwischen 500 und 1000 Hektar, bei 16% zwischen 250 und 500 Hektar und bei 15% zwischen 1.001 und 1.500 Hektar. Die restlichen 6% gaben an, die Gesamtfläche der Jagdgenossenschaft läge unter 250 Hektar.

Von den Jagdgenossenschaftsmitgliedern unter den Befragten besitzen 59% innerhalb der Jagdgenossenschaft eine Fläche, die kleiner als fünf Hektar ist (siehe Abbildung 3). Etwa 70% gaben an, die Fläche alleine zu besitzen, die restlichen 30% besitzen die Fläche gemeinsam mit anderen Personen.

Abbildung 3: Größe der Flächenanteile der befragten Mitglieder innerhalb ihrer Jagdgenossenschaft (n=98)


Etwa 32% der Teilnehmenden gaben an, dass die jagdgenossenschaftliche Fläche fast ausschließlich oder überwiegend mit Wald bestockt ist, 42% haben überwiegend oder fast ausschließlich landwirtschaftliche Flächen und 26% haben beides zu etwa gleichen Teilen.

Insgesamt 60 Personen waren auch Bewirtschaftende von Flächen einer Jagdgenossenschaft. Von diesen bewirtschaften 45% Wald, 25% vor allem Acker- und Feldflächen und 18% überwiegend Weide- und Grünland. Außerdem wurden noch Obstbau (5%) und Weinbau (2%) oder Sonderkulturen wie Hopfen und Spargel (5%) erwähnt

Bei der Frage welche Tierarten auf der Fläche der Jagdgenossenschaft vorkommen wurden im Durchschnitt drei Antworten gegeben (n=669 Nennungen). Der Schwerpunkt lag auf Schwarz- und Rehwild. Außerdem wurden noch Hase, Fuchs, Dachs sowie in einigen Fällen Rotwild genannt (Abbildung 4).

Abbildung 4: Vorkommende Tierarten auf den Flächen der Jagdgenossenschaften der Befragten, Mehrfachantworten möglich (n=669)

Wie werden die Zielvereinbarungen im Rahmen von RobA gehandhabt?

Über 62% der Teilnehmenden haben die Frage, ob im Rahmen von RobA Zielvereinbarungen zwischen Jagdgenossenschaft und Jagenden getroffen wurden, mit „ja“ beantwortet. Von diesen gaben 50% an, die Zielvereinbarungen schriftlich festgehalten zu haben, 12% haben diese mündlich vereinbart. Etwa 23% gaben an keine Zielvereinbarungen getroffen zu haben und knapp 10% wussten es nicht. Die restlichen 5% haben zu dieser Frage keine Angaben gemacht (siehe Abbildung 5).

Abbildung 5: Häufigkeit über die im Rahmen von RobA getroffene Art der Zielvereinbarungen (n=206)

In den Jagdgenossenschaften, in denen Zielvereinbarungen getroffen werden, finden zu 52% Flächenbegänge statt, in 48% ist dies nicht der Fall. An den Begängen nimmt laut der Befragten neben den Jagdpachtenden in vielen Fällen auch die Forstrevierleitung teil. Teilweise wurde auch die Stadtverwaltung genannt.

Nur selten kommt es bei der Festlegung von Vereinbarungsinhalten nach Aussage der Teilnehmenden zu Konflikten: 70% gaben an, dass es keine Konflikte gegeben habe, bei 20% gab es in Einzelfällen und bei 3% mehrheitlich Konflikte. Weitere 7% machten hierzu keine Angaben. Als häufigster Grund wurden unterschiedliche Sichtweisen bei der Beurteilung der fachlichen Situation und unterschiedliche Zielsetzungen von Jagdgenossenschaft und Jagdpachtenden genannt. Zwischenmenschliche Probleme und auch die Einflussnahme anderer Interessengruppen wurden hingegen nur selten als Ursache für Konflikte angegeben.

Insgesamt bewerteten 61% die Zielvereinbarungen als sinnvoll, 26% als teilweise sinnvoll und 13% als nicht sinnvoll.

Knapp 18% der Befragten gaben an, dass es keine bedeutenden Wildschäden gegeben habe, bei 6% spielten diese keine Rolle, da sie von den Jagenden reguliert wurden und 4% haben hierzu keine Angaben gemacht. Die restlichen 72% der Befragten gaben an, dass Wildschäden eine Rolle spielen. Der Ausgleich der Wildschäden in diesen Jagdgenossenschaften erfolgt zu 67% über gütliche Einigung, zu 11% über eine Wildschadensschätzung und zu 4% über eine Ausgleichskasse. In 9% werden die Schäden nicht abgeglichen, teils aufgrund der Geringfügigkeit des Schadens. In fast 74% der Fälle wirken die Jagdpachtenden aktiv an Schutzmaßnahmen mit.

Die Stimmung zwischen der Jagdgenossenschaft und den Jagenden wurde von 62% der Befragten als sehr gut bis gut beschrieben. Knapp 27% gaben an die Stimmung sei weder gut noch schlecht und nur 6% schätzten das Verhältnis von Jagausübungsberechtigten und Jagdgenossenschaft als schlecht ein.

Der Frageblock endete mit einem freien Kommentarfeld zum Thema Jagd. An mehreren Stellen wurde die Notwendigkeit von Zusammenarbeit und Absprachen zwischen Waldbesitzenden, Landwirtschaft und Jagd betont. Durch die „ständige Kommunikation zwischen Verpächter, Landwirtschaft und Pächter“ sei ein „gutes und vertrauensvolles Verhältnis“ entstanden“, so einer der Teilnehmenden. Auch revierübergreifende Drückjagden, zu denen die Grundbesitzenden eingeladen werden, oder gemeinschaftliche Aktionen wie die Kitzrettung vor der Wiesenmahd werden als bewährte Strategien zur Konfliktlösung erwähnt. Eine Jagdgenossenschaft gab an, für die Kitzrettung in eine Drohne investiert zu haben. An anderer Stelle wurde betont, wie wichtig es sei, nicht nur Kritik, sondern auch Lob zu äußern, wenn die Jagd erfolgreich zu Wildschadensverhütung beigetragen habe, dies sei leider viel zu selten der Fall. Auch das Forstliche Verbissgutachten wurde als ein wichtiges Instrument genannt, da es als „neutrale Maßnahme“ wahrgenommen und „von einer dritten fachlichen Partei durchgeführt wird.“ Ein Teilnehmender schreibt, dass er das Forstliche Gutachten für sich als Jagender wie ein „Zwischenzeugnis“ ansieht.

Aus mehreren Kommentaren ging außerdem hervor, dass der Informationsfluss eine wichtige Rolle spielt. Hier wurden sowohl positive als auch negative Beispiele genannt. So wurde sich etwa lobend gegenüber Jagdgenossenschaften geäußert, deren Vertretende (selbstverwalteter Jagdgenossenschaften wie auch kommunalverwalteter) sich gut auskennen würden, hier finde „Dialog auf Augenhöhe statt“.

Gleichzeitig wird aber auch an mehreren Stellen deutlich, dass sich die Mitglieder von öffentlicher Seite zum Thema Jagdgenossenschaften nicht ausreichend informiert fühlen und dass den Themen Jagd und Jagdgenossenschaften seitens der Kommunen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, manche Kommunen wollten „lediglich ihre Ruhe haben.“ Aber nicht nur die Kommunen schenkten dem Thema zu wenig Beachtung, auch viele Grundbesitzende brächten sich zu wenig ein. Grund hierfür seien vor allem die kleinen Grundstücksgrößen. „Warum sollten sich die Jagdgenossen mit kleinen Waldflächen, die sowieso nur wenige Male im Jahr aufgesucht werden (wenn’s gut läuft) und sie keinen (bedeutenden) wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen, Gedanken darüber machen, wie viel Rehe geschossen werden sollen?“, fragte ein Teilnehmer. Da Klein- und Kleinstprivatwaldbesitzende aber die Mehrheit der Jagdgenossenschaftsmitglieder bilden, würde dies schnell zum Problem für die Waldbesitzende, die mit dem Wald wirtschaften müssten. An dieser Stelle wird seitens der Teilnehmenden vorgeschlagen, die Waldbesitzenden verstärkt zu sensibilisieren und zu informieren, um so die Grundbesitzenden zu motivieren, sich aktiv mit dem Thema Jagd, Jagdgenossenschaft und Wildverbiss auseinanderzusetzen. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels sei dies besonders wichtig.

Ein zweiter, immer wieder anklingender Problempunkt waren Wildschäden und der Umgang mit ihnen. Viele der Jagdausübenden haben deutlich gemacht, dass sie nicht bereit sind die Verantwortung und Kosten für die zunehmenden Wildschäden alleine zu tragen. Vielmehr müssten Absprachen verbessert und gemeinsame Lösungen gefunden werden, wie beispielsweise das Freihalten von Schussschneisen, Schwerpunktbejagung oder das Freihalten von Waldrändern. Aber auch von Seiten des Grundeigentums wurde Kritik geübt, die Jagd werde teilweise als „Wohlstandshobby“ betrieben und die Jagdausübenden seien zu wenig präsent. Einige Jagdgenossenschaften haben aus diesem Grund festgesetzt, dass „nur Bürgerinnen und Bürger der Kommune die Jagd pachten [dürfen]“ – oder aber, dass mindestens eine Person über einen Begehungsschein verfügt oder an der Pacht beteiligt ist. Auf diese Weise sei das „Verhältnis zwischen Jagdpachtenden und Genossenschaft sehr gut, weil der Wildschaden gemeinsam reguliert wird und der Jäger ständig vor Ort ist“.

Insgesamt betrachtet wird aus den Kommentaren deutlich, dass diejenigen, die sich positiv äußern, Absprachen zwischen den Beteiligten Interessengruppen getroffen haben und über gemeinsame Aktionen Austausch stattfinden kann. Diejenigen, die sich eher kritisch geäußert haben, beklagten oft, dass Absprachen nicht stattfinden oder nicht eingehalten werden.

Wie sieht die Verwaltung der Jagdgenossenschaften aus?

Dreißig Prozent der Jagdgenossenschaften laden alle ein bis drei Jahre zu einer Mitgliederversammlung ein, 44% alle vier bis neun Jahre und 26% seltener als alle neun Jahre.

Zwischen den Verwaltungsarten zeigt sich hier ein deutlicher Unterschied: Die selbstverwalteten Jagdgenossenschaften laden zu 76% alle ein bis drei Jahre zu einer Mitgliederversammlung ein. Dies ist nur bei 18% der kommunalverwalteten der Fall, diese berufen zu 33% seltener als alle neun Jahre eine Mitgliederversammlung ein (siehe Abbildung 6).

Abbildung 6: Zeitabstände der Jagdgenossenschaftsversammlungen getrennt nach Verwaltungsart

Von den Teilnehmenden nehmen 73% immer und 7% oft an der Mitgliederversammlung teil. Nur 10% gaben an, gelegentlich oder selten der Versammlung beizuwohnen. Als Grund für den Besuch der Versammlung wurde besonders häufig das Interesse an der Verpachtung genannt, wie auch „zur Information“ oder „um Rechte und Pflichten wahrzunehmen“.

Knapp 9% gaben an, die Mitgliederversammlung nie zu besuchen. Der hierfür häufigste Grund war, dass keine Versammlung einberufen wurde.

Wie gut fühlen sich Mitglieder über die Jagdgenossen-schaften informiert?

Von den 105 befragten Mitgliedern gaben 54% an, sich über die Rechte und Pflichten der Jagdgenossenschaft gut informiert zu fühlen. Etwa 23% gaben an sich nur teilweise informiert zu fühlen und ebenso viele meinten, sie fühlten sich schlecht informiert.

Die Stimmung innerhalb der Jagdgenossenschaft wurde von 50% der Mitglieder als gut bezeichnet, 36% gaben an, dass sie die Stimmung als mittel einstufen würden und etwa 9% schätzten die Stimmung als schlecht ein. Hier besteht ein deutlicher Unterschied zwischen den Verwaltungsarten. Mitglieder aus selbstverwalteten Jagdgenossenschaften schätzten die Stimmung innerhalb der Jagdgenossenschaft deutlich besser ein (siehe Abbildung 7).

Abbildung 7: Stimmung innerhalb der Jagdgenossenschaften getrennt nach Verwaltungsart

Zusammenfassend fällt auf, dass an der Umfrage sehr viele Jagdausübende teilgenommen haben. Auch unter den Mitgliedern konnten überwiegend diejenigen erreicht werden, die einen Jagdschein besitzen. Zum einen könnte der Aufruf zur Teilnahme durch den Landesjagdverband verstärkt wahrgenommen worden sein, zum anderen besteht möglicherweise ein höheres Interesse an der Umfrage und an den Belangen der Jagdgenossenschaft seitens der Mitglieder, die gleichzeitig Jagdausübungsberechtigte sind. Aber auch Bewirtschaftende, Revierleitende und Naturschützende haben an der Umfrage teilgenommen. Zusammen mit den Ergebnissen aus der Umfrage unter den Jagdvorständen ergibt sich so ein Bild aus verschiedenen Perspektiven auf das Thema Jagdgenossenschaften. Weitere spannende Ergebnisse erwarten wir aus den Einzelinterviews.