Ergebnisse Teil 4 – Umfrageergebnisse

Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschussplan

Ein wichtiges Element zur Förderung der Eigeninitiative in Jagdgenossenschaften ist die Einführung der Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschussplan (RobA). Seit 2016 erfolgt der Abschuss auf Grundlage von Zielvereinbarungen zwischen den Jagdrechtsinhabenden und den Jagdausübungsberechtigten. Durch dieses dialogorientierte Verfahren sollen sich die Jagdrechtsinhabenden intensiver mit ihren Aufgaben als Vertretende des Jagdrechts auseinandersetzen (JWMG §34 (2)).

Als wichtige Entscheidungshilfe für die Zielvereinbarung im Rahmen von RobA wird in den Jagdrevieren alle drei Jahre das Forstliche Gutachten erhoben (JWMG §34 (1)). In diesem wird nicht nur die Verbissintensität bei den einzelnen Baumarten eingeschätzt, sondern es werden auch Probleme bei der Erreichung waldbaulicher Verjüngungsziele sowie Flächen mit den wichtigsten Verjüngungsschwerpunkten für die nächsten drei Jahre aufgezeigt. Damit liegt eine fachliche Einschätzung vor, die es Jagdrechtsinhabenden und Jagdausübungsberechtigten erlaubt die bisherige jagdliche Umsetzung in Bezug auf die waldbauliche Zielerreichung zu evaluieren und gemeinsam zu diskutieren.

Es wird vom Gesetzgeber empfohlen, die Ergebnisse des Forstlichen Gutachtens und der im Rahmen von RobA getroffenen Zielvereinbarungen mit den Jagdrechtsinhabenden und den Jagdausübungsberechtigten anhand von Waldbegängen vor Ort zu diskutieren. Damit initiieren die Zielvereinbarungen wie auch das Forstliche Gutachten einen Dialogprozess.

Die Jagdvorstände wurden sowohl zum Forstlichen Gutachten als auch zu den Vereinbarungsinhalten der Zielvereinbarungen befragt.

Die Frage, ob es für die Waldflächen der Jagdgenossenschaften ein Forstliches Gutachten gibt, wurde von 64% der Teilnehmenden mit „ja“ und von 15% mit „nein“ beantwortet; 18% gaben an dies nicht zu wissen, 3% haben hierzu keine Angaben gemacht. Dies passt auch zu den Angaben zu der Flächennutzung; etwa 15% der teilnehmenden Jagdvorstände gaben an, dass die Jagdgenossenschaft fast ausschließlich landwirtschaftliche Flächen habe. Dennoch ist der hohe Anteil derjenigen, die Angaben über das Forstliche Gutachten keine Kenntnis zu haben ein Hinweis dafür, dass die Bedeutung des Forstlichen Gutachtens besser kommuniziert werden muss.

Bei über 74% der Jagdgenossenschaften, die ein Forstliches Gutachten haben, werden die waldbaulichen Verjüngungsziele durch die Forstrevierleitung festgelegt. Nur 2% der Jagdvorstände gaben an, dass die Jagdgenossenschaft für die Festlegung der Verjüngungsziele verantwortlich ist. Etwa 8% nutzten das freie Eingabefeld, dort wurde neben der Stadtverwaltung auch die Untere Forstbehörde genannt. Ein Jagdvorstand gab an, dass die waldbaulichen Verjüngungsziele in gemeinsamer Absprache mit den Waldbesitzenden festgelegt werden. Die restlichen 13% gaben an, dass im Rahmen des Forstlichen Gutachtens keine waldbaulichen Verjüngungsziele für die Jagdgenossenschaft festgelegt werden und 3% machten hierzu keine Angaben (Abbildung 1).


Die Frage, ob Zielvereinbarungen im Rahmen des Rehwildabschusses ohne behördlichen Abschussplan getroffen worden seien, wurde von 70 der 106 (66%) der Befragten mit „ja“ beantwortet.

Die folgenden Fragen beziehen sich auf die im Rahmen von RobA getroffenen Zielvereinbarungen und wurden nur den 70 Jagdvorständen angezeigt, die angaben, eine solche getroffen zu haben.

Von diesen 70 Befragten gaben 43 an, diese Zielvereinbarungen einmal in drei Jahren zu treffen; 16 gaben an, diese Vereinbarungen jährlich zu treffen. Ein Jagdvorstand gab an, die Zielvereinbarungen zweimal innerhalb von drei Jahren abzustimmen. Sieben Jagdvorstände gaben „Sonstiges“ an. Ein Blick in die Angaben hierzu zeigt, dass von der Regel, die Zielvereinbarungen alle drei Jahre zu treffen, in „kritischen Fällen“ oder „wenn die Verbiss-Situation zunimmt“ abgewichen und eine jährliche Vereinbarung getroffen wird. Andere treffen die Vereinbarungen „nur bei Bedarf“ oder alle sechs Jahre.


In den 70 Jagdgenossenschaften mit Zielvereinbarungen werden in 41 die Zielvereinbarungen schriftlich festgehalten, in 26 Jagdgenossenschaften werden die Vereinbarungen mit den Jagdpachtenden mündlich abgestimmt (drei der 70 Jagdvorstände machten hierzu keine Angaben).

Bei der Abschussgestaltung haben 20 Jagdgenossenschaften keine zahlenmäßigen Vorgaben gemacht, ebenso viele haben einen Mindestabschuss vorgegeben. Weitere neun Jagdgenossenschaften haben weiterhin eine detaillierte Abschussplanung wie vor der Abschaffung des behördlichen Abschussplans. Neben den Jagdgenossenschaften und den Jagdpachtenden selbst sind auch die Forstrevierleitenden maßgeblich an der Festlegung der Vereinbarungsinhalte beteiligt.

Insgesamt gaben 38 von den 70 Jagdvorständen, die Zielvereinbarungen getroffen haben, an, dass Flächenbegänge stattfinden. Bei 23 dieser Jagdgenossenschaften finden diese nur auf den forstlichen Flächen statt. Obwohl die Zielvereinbarungen nur den Rehwildabschuss betreffen, werden in 14 Jagdgenossenschaften bei den Flächenbegängen neben den forstlichen auch die landwirtschaftlichen Flächen begangen. Eine Jagdgenossenschaft gab an, nur die landwirtschaftlichen Flächen zu begehen. Bei 27 der Jagdgenossenschaften haben keine Flächenbegänge stattgefunden und fünf machten hierzu keine Angaben (Abbildung 3).

Von den 38 Jagdgenossenschaften, bei denen Flächenbegänge durchgeführt werden, sind in fast allen Fällen die Jagdvorstände bei den Begängen dabei. Nur acht Jagdvorstände gaben an, nicht an den Begängen teilzunehmen.


Die Frage, ob es bei den Absprachen zu den Zielvereinbarungen zu Konflikten kam, wurde von 40 der 70 Jagvorstände mit „nein“ beantwortet. In 26 Jagdgenossenschaften kam es zu Konflikten. Weitere vier Befragte gaben an darüber keine Kenntnis zu haben.

Die folgende Frage bezog sich auf die Gründe für Konflikte bei den RobA-Zielvereinbarungen und wurde nur den 26 Befragten gestellt, die angaben, dass es zu Konflikten kommt. Es konnten mehrere Gründe angegeben werden. Die am häufigsten angegebene Ursache für Konflikte war die „unterschiedliche Beurteilung der fachlichen Situation“ (19 Nennungen). „Unterschiedliche Zielsetzungen“ wurden am zweithäufigsten als Grund für Konflikte angegeben (16 Nennungen). Nur drei Nennungen bezogen sich auf zwischenmenschliche Probleme.

Die Frage, ob die im Rahmen von RobA getroffenen Zielvereinbarungen als Möglichkeit genutzt werden, um darüber hinaus noch weitere Ziele zwischen Jagdgenossenschaft und Jagdpachtenden zu vereinbaren, wurde von 16 Jagdgenossenschaften positiv beantwortet. Dabei handelt es sich in erster Linie um waldbauliche Zielsetzungen (12 Nennungen) und Schwerpunktbejagungen (neun Nennungen) sowie Bejagungsstrategien (vier Nennungen). Aus den sonstigen Angaben ließ sich erkennen, dass diese weiteren Zielsetzungen auch Absprachen zum Abschuss von Schwarzwild enthielten, wie beispielsweise die Organisation gemeinsamer revierübergreifender Drückjagden. Auch erwähnt wurden Vereinbarungen, die eine besondere Rücksichtnahme seitens der Jägerschaft in Naherholungsgebieten oder die Teilnahme an dem durch den Landesjagdverband ins Leben gerufenen Projekt „Allianz für Niederwild“ festlegten.

Zum Abschluss der Fragen zum Rehwildabschuss ohne behördlichen Abschussplan wurden alle Teilnehmenden gebeten, eine generelle Einschätzung zur Sinnhaftigkeit der im Rahmen von RobA getroffenen Vereinbarungen zu geben. Insgesamt beurteilten die teilnehmenden Jagdvorstände dies unterschiedlich. 48% hielten die Zielvereinbarungen für sinnvoll, 25% gaben „teils/teils“ an, 8% gaben an, die Vereinbarungen für nicht sinnvoll zu erachten; 19% Jagdvorstände gaben keine Einschätzung ab (Abbildung 5).

Im Folgenden geht es um die Frage, ob diejenigen, die eine Zielvereinbarung getroffen haben, das Ziel die Hauptbaumarten ohne Schutz zu verjüngen besser erreichen konnten. Dafür wurden nur die Jagdgenossenschaften betrachtet, denen die Verjüngungsziele wichtig waren (siehe Tabelle 1).

Von denen, die eine Zielvereinbarung haben, konnten 22 (42%) ihr Ziel die Hauptbaumarten ohne Schutz zu verjüngen erreichen. Jeweils 15 (29%) konnten dies nur teilweise bzw. nicht erreichen. Allein die Festlegung von Vereinbarungsinhalten im Rahmen von Zielvereinbarungen reichen offensichtlich nicht aus das Ziel die Verjüngung der Hauptbaumarten ohne Schutz zu erreichen.

Jedoch gibt es auch Hinweise auf positive Aspekte: Von denen, die eine Zielvereinbarung getroffen haben, stimmen 64% der Aussage zu ausreichend Kenntnis über die jagdliche Fläche zu haben. Nur 11% derjenigen mit Zielvereinbarung stimmen dieser Aussage nicht zu. Signifikant wird dies, wenn man die Flächenbegänge hinzuzieht: Von denen, bei denen Flächenbegänge durchgeführt werden, gaben signifikant mehr Jagdvorstände an, dass sie Kenntnis über die jagdliche Situation haben, als diejenigen, bei denen keine Flächenbegänge stattfinden.

Offenbar werden die im Rahmen von RobA getroffenen Vereinbarungen zum Rehwildabschuss zwar insgesamt eher positiv eingeschätzt, aber noch nicht flächendeckend umgesetzt. Möglicherweise treten die Herausforderungen der Rehwildbewirtschaftung für viele der teilnehmenden Jagdgenossenschaften gegenüber den Herausforderungen der Schwarzwildbejagung in den Hintergrund und Zielvereinbarungen zum Rehwildabschuss kommen mancherorts nur „bei Bedarf“ zum Einsatz.

Diejenigen, die im Rahmen der Zielvereinbarungen zum Rehwildabschuss Begänge durchführen oder darüber hinaus Vereinbarungen getroffen haben, scheinen sich auch intensiver mit den Jagdausübenden über die jagdliche Situation auf der Fläche auszutauschen. So wurden in manchen Jagdgenossenschaften neben waldbaulichen Zielsetzungen auch Vereinbarungen zu Bejagungsstrategien und Schwerpunktbejagungen getroffen – auch Bejagungsstrategien zum Schwarzwild. So wird deutlich: wenn den Zielvereinbarungen entsprechendes Gewicht beigemessen wird, helfen sie den Dialog zwischen den Akteuren zu verbessern und waldbauliche Ziele zu erreichen.