Ergebnisse Teil 1

Mit Stand Juli 2020 existieren in den rund 1.100 Gemeinden Baden-Württembergs insgesamt 1.591 Jagdgenossenschaften. Davon sind 463 (29%) selbstverwaltet. Der Anteil selbstverwalteter Jagdgenossenschaften unterscheidet sich in den einzelnen Stadt- und Landkreisen deutlich und reicht von 0 bis 100 Prozent, wobei 100 Prozent lediglich in zwei Stadtkreisen erreicht werden, deren einzige Jagdgenossenschaft privat verwaltet wird. Schwerpunkte der Selbstverwaltung befinden sich im Osten Baden-Württembergs sowie im Schwarzwald. Insbesondere in den Land- und Stadtkreisen in der Landesmitte werden die Jagdgenossenschaften von den Gemeinden verwaltet.

Abbildung 1: Selbstverwaltungsgrad der Jagdgenossenschaften in Baden-Württemberg

Die Unteren Jagdbehörden wurden gebeten anzugeben, wie häufig sie Kontakt zu den Jagdgenossenschaften haben. Hier ließ sich kein einheitliches Bild feststellen, die Häufigkeit variiert sehr stark. Aus den Erläuterungen unter „Sonstiges“ wird deutlich, dass der Kontakt der meisten Unteren Jagdbehörden zu den Jagdgenossenschaften unregelmäßig ist. Bei konkreten Anlässen kommt es zu „regem Kontakt“. Am zweithäufigsten gaben die Unteren Jagdbehörden an, drei- bis viermal im Jahr Kontakt zu den Jagdgenossenschaften zu haben. Zwischen dem Grad der Selbstverwaltung und dem Kontakt war ein leicht positiver Zusammenhang zu erkennen: In Stadt- bzw. Landkreisen, in denen es mehr selbstverwaltete Jagdgenossenschaften gibt, ist auch der Kontakt zwischen diesen und den Unteren Jagdbehörden ausgeprägter.

Dieses Bild deckt sich mit den Antworten aus der Befragung der Jagdvorstände. Über 70% gaben die Untere Jagdbehörde als wichtigsten Ansprechpartner an, gefolgt von der Unteren Forstbehörde (46%) und den Jagdgenossenschaftsverbänden (13%).

An der Befragung der Jagdvorstände haben 106 Jagdvorstände teilgenommen. Davon waren 61 Vorstand einer selbstverwalteten und 42 Vorstand einer kommunalverwaltete Jagdgenossenschaft.

Umgerechnet auf die Gesamtzahl der Jagdgenossenschaften in Baden-Württemberg nahmen fast 13% aller selbstverwalteten und 4% aller kommunalverwalteten Jagdgenossenschaften teil. Die teilnehmenden Jagdgenossenschaften kamen aus mindestens 29 verschiedenen Stadt- und Landkreisen.

Die meisten Jagdgenossenschaften haben zwischen 100 und 250 Mitglieder. Der Mittelwert liegt bei 190 Mitgliedern, wobei die Jagdgenossenschaft mit der geringsten Mitliederanzahl acht und die mit der höchsten 15.755 Mitglieder hat. In den teilnehmenden Jagdgenossenschaften sind die personenstärkste Gruppe Landbewirtschaftende im Nebenerwerb, gefolgt von Landbewirtschaftenden im Haupterwerb und Privatwaldbesitzenden mit weniger als 20 Hektar.

Die Flächengröße der Jagdgenossenschaften reicht von knapp 150 Hektar bis zu über 55.000 Hektar, im Mittel beträgt die Flächengröße 975 Hektar.

Von den Jagdgenossenschaften, die an der Umfrage teilgenommen haben, haben 60% überwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen. Nur etwa 12% gaben an überwiegend Wald zu bewirtschaften, bei fast 24% sind die Wald- und Freiflächen in etwa gleich verteilt.

Die Teilnehmenden sollten angeben, wie wichtig ihnen verschiedenen Zielsetzungen für ihre Jagdgenossenschaft sind. In Abbildung 2 ist zu sehen, dass fast allen Jagdvorständen ein gutes Verhältnis zu den Interessengruppen wichtig ist und dieses Ziel noch vor ökonomischen Interessen wie der Produktion von Holz und landwirtschaftlichen Gütern rangiert. Als besonders wichtig wurde das Ziel Wildschäden im Feld und auch im Wald zu verringern eingestuft. Auch das Ziel, den Verwaltungsaufwand zu verringern, wurde von fast 75% der Jagdvorstände als wichtig erachtet, ebenso wie die Anpassung des Waldes an den Klimawandel.

Abbildung 2: Wichtigkeit der Ziele (Antworten in Prozent, N= 106)

In Abbildung 3 ist dargestellt, welcher Anteil der Jagdgenossenschaften, deren Vorstände das jeweilige Ziel in der vorherigen Frage als wichtig eingestuft haben, dieses auch erreichen.

Abbildung 3: Erreichung verschiedener Ziele (Antworten in Prozent, n=siehe Achsenbeschriftung)

Fast 80% der Jagdvorstände gaben an, das Ziel ein gutes Verhältnis zu den Interessengruppen zu haben, zu erreichen. Auch bei der Einnahme aus der Verpachtung und dem Erhalt der Erholungsfunktion scheint es wenig Schwierigkeiten zu geben. Die größten Schwierigkeiten scheinen offensichtlich bei der Verjüngung der Hauptbaumarten ohne Schutz und dem Verhindern von Wildschäden im Feld zu bestehen. Auch die Ziele den Wald an den Klimawandel anzupassen und den Naturschutz verstärkt zu fördern werden von den meisten Jagdgenossenschaften noch nicht oder nur teilweise erreicht. Das Ziel den Verwaltungsaufwand zu verringern wird ebenfalls von fast 50% der Jagdgenossenschaften nur teilweise bis gar nicht erreicht. Dass der Verwaltungsaufwand für die Jagdgenossenschaften sehr unterschiedlich ausfällt, zeigt auch die Frage nach der Zeit, die die Jagdvorstände im Durchschnitt pro Monat als Vorstand investieren (Abbildung 4).

Abbildung 4: Arbeitszeit der Jagdvorstände pro Monat (Angaben in Prozent, n= 106)

Die meisten Jagdvorstände (61%) investieren zwischen einer und fünf Stunden im Monat. Knapp 23% gaben an unter einer Stunde für die Jagdgenossenschaft zu arbeiten und 11% arbeiten bis zu zehn Stunden, 4% zwischen zehn und 20 Stunden. Eine kommunalverwaltete Jagdgenossenschaft gab an 40 Stunden im Monat für die Verwaltung der Jagdgenossenschaft aufzuwenden. Zwischen den Verwaltungsarten konnte, was die Arbeitszeit betrifft, kaum ein Unterschied festgestellt werden.

Bei den meisten selbstverwalteten Jagdgenossenschaften setzt sich der Vorstand aus mehreren Personen zusammen, wohingegen bei den kommunalverwalteten Jagdgenossenschaften diese Aufgabe meist von einer Person übernommen wird.

Insgesamt zeigt sich hinsichtlich der Stimmung innerhalb der Jagdgenossenschaften ein positives Bild. Mehr als 65% der Jagdvorstände würden die Stimmung als sehr gut bis gut bezeichnen, nur in weniger als 5% der Fälle ist die Stimmung nach Einschätzung der Befragten eher negativ.

Im Folgenden wurden die Jagdvorstände gebeten die Beziehung zu anderen Akteuren einzuschätzen. Die Abbildung zeigt, dass die Unteren Jagdbehörden von mehr als 74% der Befragten als Ansprechpartner genannt werden. Dies passt auch zu den Angaben der Unteren Jagdbehörden, die Angaben regelmäßig in Kontakt zu den Jagdgenossenschaften zu stehen. Die Untere Forstbehörde ist der zweitwichtigste Ansprechpartner, dann erst mit einigem Abstand, werden die Jagdgenossenschafts- und Bauernverbände genannt.

Abbildung 5: Ansprechpartner der Jagdgenossenschaften (Mehrfachantworten in Prozent, n = 195)

Von den teilnehmenden Jagdvorständen gab mehr als die Hälfte (53%) an, in keinem Verband Mitglied zu sein (Abbildung 6). Etwa 30% der teilnehmenden Jagdgenossenschaften sind Mitglied im Verband der Jagdgenossenschaften Baden-Württemberg und etwa 12% im Arbeitskreis Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands. Die kommunalverwalteten Jagdgenossenschaften haben deutlich seltener eine Mitgliedschaft in einem der Verbände.

Abbildung 6: Verbandsmitgliedschaften Jagdgenossenschaften (Mehrfachantworten in Prozent, n= 100)

Im Projekt werden nun die Fragen zu den Themen Jagd und Wild ausgewertet und die bereits vorgestellten Ergebnisse im Detail analysiert. Hier geht es weiter zu Teil 2 der Ergebnisse.

Auf Basis der Umfrageergebnisse werden nun Einzelinterviews mit einzelnen Jagdvorständen geführt. Die Ergebnisse sollen anschließend in Gruppendiskussionen diskutiert und ergänzt werden. Ziel ist es, gemeinsam mit den Jagdgenossenschaften konkreten Handlungsbedarf zu ermitteln und anhand von Beispielen zu hinterlegen. Mehr Informationen und wie Sie sich daran beteiligen können, erfahren sie hier.

Bei Anmerkungen, Fragen oder Kritik dazu können Sie sich gerne bei uns über das Kontaktformular melden.